Lost Places: Kobuleti

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Mehrfach bin ich schon durch Kobuleti gefahren, bzw. in der Marshrutka gefahren worden. Wenige Kilometer vor Kobuleti biegt die Straße ab, passiert zwei Flüsse und führt entlang der Küste nach Batumi. Die Flüsse ergießen sich braun in das graue Meer, es regnet ohne Ende, der Himmel ist dick verhangen. Adjarien ist subtropisch, oben in den Bergen steht Regenwald und Regen ist daher nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Diesmal will ich dort aussteigen. Kobuleti war mal ein Seebad, ein berühmtes.

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Aber von vorne: Denn in die Marshrutka hat mich kein geringerer gesetzt als ein Taxifahrer. Es wird wohl eine lebenslange Fehde bleiben zwischen mir und den Taxifahrern, so leid mir das tut. Und das war so: In Kutaissi war ich als einer der ersten aus dem Flugzeug draußen (Platz 2d, Grüße an Doreen!), schnell durch die Passkontrolle – wenngleich der Zustand meines Passes zu allgemeiner Erheiterung geführt hatte (Ich bereue die Jahre, da ich ihn in der Gesäßtasche einer Jeans befördert habe; nächstes Jahr läuft er aus.) – und schnell am Geldautomaten. Dort sprach mich ein älterer Herr auf Russisch an und erbot sich, mich für 20 Lari (knapp sieben Euro) nach Kobuleti zu fahren. Ich hielt zunächst dagegen und verwies auf die Marshrutka. Er hingegen behauptete, er sei die Marshrutka! Ich ließ mich breit schlagen, weil der Preis ok war, er führte mich zu seinem Auto (Dacia, Steuer rechts!) und schwärmte dann allerdings wieder aus, um mehr Touristen einzufangen und seine Plätze voll zu bekommen. Kurz dachte ich daran zu türmen, sah aber, dass die Touristen in einer Traube um die offizielle Marshrutka herum standen und nichts geschah und beschloss, zu schauen was passiert.

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Was passierte war folgendes: Taxifahrer kommt zurück, hat jedoch niemanden im Schlepptau. Taxifahrer bedeutet mir, es könne jetzt losgehen. Ich so: Wohlan! Er fährt los, überschreitet aber die 50 km/h auf den folgenden Kilometern nicht. Das gibt mir zu denken. Taxifahrer beginnt Diskussion (auf Russisch!), will mehr Geld, weil nur ein Passagier. Er erklärt, ich mach auf doof. Klammerbemerkung: Weiß ich auch, dass es deppert wäre, mich für 20 Lari nach Kobuleti zu fahren. War ja aber nicht meine Idee! Ich hab ja seinetwegen die Marshrutka verpasst. Es stellt sich heraus, dass er 70 Lari will. Ich hab aber grad keinen Bock:

-Njet.

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Taxifahrer fragt mehrmals nach, erklärt erneut und ist etwas konsterniert, weil ich beim Njet bleibe. Phase der Kompromissfindung. Taxifahrer bietet an, mich für 10 Lari nach Samtredia zu fahren und dort in die Marshrutka zu setzen. Das finde ich ok und willige ein. In Samtredia angekommen, es gießt aus Kübeln, argumentiert der Taxifahrer wie folgt: Ich hätte ja ursprünglich 20 Lari bis nach Kobuleti gezahlt, die Marshrutka von Samtredia aus würde jedoch nur 5 Lari kosten. Also – und da ich zudem ja das Kleingeld benötigen würde – könne ich ihm doch 15 Lari geben. Hier seien 5 Lari in klein…

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Wir wären nicht in Georgien, wenn der Taxifahrer nicht noch mit mir auf die Marshrutka gewartet hätte, wenn er mir nicht noch eine Zigarette angeboten hätte und ich ihm nicht von meinem Reiseproviant. Erst als ich im Regen gen Kobuleti abfuhr, ist er wieder eingestiegen. Mir schien es, wir waren beide zufrieden ob des Ausgangs der Auseinandersetzung. Ich hatte mich auf seinen Scheiß nicht eingelassen, er dennoch einen vernünftigen Schnitt gemacht.

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Achso: Kobuleti. Ja mei! Beliebtes Seebad zu den Zeiten der Sowjetunion. Heutzutage im Sommer vor allem von Armeniern frequentiert (ja, auch die machen mal Urlaub!), im Oktober aber weitestgehend geschlossen. Zwei ewig lange Straßen entlang der langen Küste. Aber ein perfekter Ausgangspunkt in das adjarische Gebirge, genauer: in die Kintrishi Protected Areas. Da muss aber erst noch das Wetter mitspielen. Ist aber heute schon viel viel besser, siehe Fotos.

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